Deutsch-französische Personalsuche und Stellenanzeigen

Das Vorstellungsgespräch in Frankreich in 2019: häufigste Fragen, Verlauf und wichtige Tipps

Équipe FRADEO
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15. August 2019

Lebenslauf und Bewerbungsschreiben haben Interesse geweckt, das Telefoninterview mit dem Headhunter oder der Headhunterin haben den positiven Eindruck von Ihnen bestätigt. Nun geht es zur nächsten Etappe: dem Bewerbungsgespräch mit dem Unternehmen!

In den Grundstrukturen unterscheidet sich ein Vorstellungsgespräch in Frankreich nicht großartig von einem in Deutschland. Da der Teufel aber bekanntlich im Detail steckt und Sie sich nicht nur aufgrund der Sprache, sondern auch aufgrund des Kommunikationsstils in nicht ganz vertrauten Gewässern bewegen, schöpfen wir für Sie aus unserem Erfahrungsschatz und zeigen Ihnen, auf was Sie sich in einem Bewerbungsgespräch in Frankreich einstellen können – und sollten.

Das Vorstellungsgespräch in Frankreich beginnt, noch bevor es angefangen hat

Ein sauberes Auftreten ist Pflicht. Abhängig von Branche und Firma empfehlen wir sogar Anzug und Krawatte für Männer und Kostüm für Frauen.

Entgegen des Rufes, den unsere französischen Nachbarn haben, legen auch diese Wert auf Pünktlichkeit beim Vorstellungsgespräch. Informieren Sie sich daher vorab über Transportwege zum vereinbarten Ort für das Vorstellungsgespräch, und notieren Sie sich die Kontaktdaten der Person, mit der Sie das Vorstellungsgespräch haben, um diese z.B. im Falle von Problemen mit dem öffentlichen Transport über Ihre Verspätung in Kenntnis zu setzen.

Der Verlauf eines Bewerbungsgesprächs in Frankreich

1. Mit wem führen Sie das Vorstellungsgespräch?

Die Reihenfolge der verantwortlichen Personen, mit denen Sie ein Bewerbungsgespräch führen, ist in Frankreich von Firma zu Firma unterschiedlich.

In den meisten Fällen werden Sie zuerst mit der für das Recruiting zuständigen Person aus der Personalabteilung sprechen, die für die leitende Person des Teams, in dem die Stelle zu besetzen ist, eine Vorauswahl trifft. Das darauf folgende Bewerbungsgespräch haben Sie dann meist mit der Teamleitung.

Es kann aber auch vorkommen, dass Sie zuerst mit der Abteilungsleitung sprechen, dann mit der Teamleitung. Bei hinsichtlich der Mitarbeiterzahl überschaubaren Unternehmen lernen Sie meist auch den Inhaber oder die Inhaberin direkt kennen. Über den voraussichtlichen Verlauf des Bewerbungsprozesses werden Sie in jedem Fall informiert.

2. Die am häufigsten gestellten Fragen

Oldies but goldies: Wir nennen Ihnen die wichtigsten und – noch immer! – am häufigsten gestellten Fragen, auf die Sie sich für ein Vorstellungsgespräch in Frankreich einstellen können.

„Erzählen Sie etwas über sich.“ (Einladung zum Pitch)

Der Klassiker unter den Einstiegen ins Vorstellungsgespräch, auch in Frankreich!

Lösen Sie sich hierfür von einer chronologischen Nacherzählung Ihres Lebenslaufs, denn der sollte Ihrem Gesprächsgegenüber bekannt sein. Falls nicht oder falls es Unklarheiten gibt, wird dieser im Laufe des Gesprächs nachhaken.

Es gibt verschiedene Erzähltechniken, um diesen Einstieg zu gestalten:

„Was wissen Sie bereits über unser Unternehmen?“

Nur wer seine Hausaufgaben gemacht hat, kann auf Erfolg bei der Prüfung hoffen! Das bedeutet:

Vorbereitung, Vorbereitung, Vorbereitung!

Holen Sie so viele Informationen ein wie Sie können. Über die Unternehmens-Webseite und Profile in sozialen Netzwerken, auf Jobmessen, in Presseberichten usw. erfahren Sie alles über die Produkte, Dienstleistungen, Tätigkeitsfelder und Spezialgebiete, damit Sie für Ihr Vorstellungsgespräch mit der französischen Firma gerüstet sind.

Ist Ihnen die Branche fremd: Machen Sie sich schlau und lesen Fachartikel!

Ist Ihnen die französische Wirtschaft fremd: Lesen Sie Zeitungen wie Le Figaro, Le Monde, Le Journal de l’Économie oder Les Echos.

Tipp: Zur Vorbereitung gehören nicht nur die sachlich-inhaltlichen Aspekte, sondern auch der kommunikative Teil: Sind Sie womöglich noch nicht ganz sicher in der französischen Sprache, in der das Bewerbungsgespräch geführt werden soll: Schreiben Sie sich Fachbegriffe, Formulierungen und Sätze auf, die Sie im passenden Moment anwenden können.

„Warum wollen Sie Ihren aktuellen Arbeitsplatz verlassen?“

Lästereien hinterlassen einen schlechteren Eindruck von Ihnen als von Ihrem aktuellen Arbeitgeber. Sprechen Sie ruhig von negativen Aspekten Ihrer aktuellen Position oder in Ihrer aktuellen Firma, die Ihren Blick auf den Stellenmarkt gelenkt haben, doch halten Sie sich dabei kurz, argumentieren Sie sachlich anhand von Fakten und werden Sie auf keinen Fall emotional. Gehen Sie danach gleich über zu dem, was Sie aus Ihrer aktuellen Position gelernt haben und wohin Sie hoffen, dass es Sie führen wird.

Denken Sie daran, dass Sie aller Wahrscheinlichkeit nach Referenzkontakte angeben müssen. Wählen Sie diese Referenzen mit Bedacht aus. Verlassen Sie Ihre aktuelle Firma aufgrund unüberbrückbarer Differenzen mit Ihrem Teamchef, haben aber in der Abteilungsleiterin eine vertrauenswürdige und objektive Person, ist es klar, wessen Telefonnummer Sie für Rückfragen potentieller Arbeitgeber hinterlassen.

„Warum haben Sie sich bei uns beworben?“

Eine augenscheinlich dankbare Frage, in der Sie auf den ersten Blick nur beweisen müssen, wie begeistert Sie von Stelle und Unternehmen sind. Falsch! Diese Frage tastet Ihre tieferen Kenntnisse über die Firma ab. Gehen Sie auf konkrete Projekte, Innovationen oder Strategien ein, die Sie an der Firma reizen und für die Sie vorab ein wenig mehr Tiefenrecherche betrieben haben.

„Was haben Sie von der Stelle verstanden?“

Im 21. Jahrhundert gibt es viele Jobbezeichnungen, die oft das gleiche meinen, aber eben nicht dasselbe, und viele Berufe, die ähnlich klingen, aber nichts gemeinsam haben. Bei derart vielen Business Developern und Growth Managern ist es keine Schande, nicht immer den Überblick zu haben – es sei denn, Sie bewerben sich dafür!

Diese Frage ist daher keine Fangfrage! Sie soll Ihnen und auch Ihrer Gesprächspartnerin bzw. Ihrem Gesprächspartner versichern, dass Sie die Stellenanzeige nicht nur gelesen, sondern auch verstanden haben und wissen, worum es geht. Natürlich sollten Sie im Großen und Ganzen wissen, was die Position beinhaltet. Wenn es für Sie jedoch einzelne Unklarheiten gibt, haben Sie keine Scheu und sagen Sie offen und ehrlich, bei welchem Punkt der Stellenanzeige Sie Schwierigkeiten hatten, sich etwas Konkretes darunter vorzustellen. Man wird ihn Ihnen geduldig erklären.

Sie müssen nicht erst auf diese Frage warten, um bei Unklarheiten nachzufragen. Es ist ein Zeichen von Aufmerksamkeit und realistischer Selbsteinschätzung, wenn Sie imstande sind zu identifizieren, was Sie nicht verstanden haben. Fragen Sie selbst nach, zeugt das von Ihrem Interesse und Ihrer Motivation. Fragen Sie also lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

„Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“

Wenn Sie bereits ein klares berufliches Ziel vor Augen haben: Schön! Erzählen Sie davon!

Wenn Sie einen Plan haben, der sich mit der Zukunft des Unternehmens, in dem Sie sich vorstellen, vereinen lässt: Umso besser! Erzählen Sie von Ihrer Vision!

Wenn Sie nicht unbedingt einen Plan haben, weil Sie z.B. erst einmal Ihre Kenntnisse festigen und vertiefen wollen – auch das ist absolut legitim und interessant zu hören!

Wichtig ist im Bewerbungsgespräch, dass Sie nicht simulieren, denn das wird jeder Profi sofort merken.

„Was sind Ihre Stärken und Ihre Schwächen?“ (Qualités et défauts)

Diese Frage wird zwar nicht immer, aber immer mal wieder gerne gestellt. Bereiten Sie sich darauf vor und erstellen Sie eine Liste:

Selbst wenn diese Frage nicht gestellt wird, bringt Ihnen eine Liste Ihrer Charaktereigenschaften Klarheit über Sie selbst und Antworten auf die Fragen: Was kann ich diesem Unternehmen und dem Team beisteuern? Wo muss ich dazulernen? Wie kann ich dazulernen?

Je besser Sie sich selbst kennen, desto überzeugender und authentischer wirken Sie im Gespräch. Und desto stärker können Sie auch den roten Faden spinnen, um möglichst klar zu formulieren, was Sie an dieser Position reizt, warum Sie glauben, die richtige Person zu sein usw.

„Deutschland ist doch Europas Vorzeige-Wirtschaftsland: Warum suchen Sie eine Stelle in Frankreich?“

Der simple Wunsch nach einem Tapetenwechsel, den Sie schließlich auch in Belgien oder der Schweiz haben könnten, reicht als Argument nicht aus, um von der Ernsthaftigkeit Ihrer Absichten für ein längerfristiges Engagement in einem Unternehmen in Frankreich zu überzeugen.

Was auch immer Sie dazu bewegt, den Schritt nach Frankreich zu wagen: Seien Sie konkret und kohärent!

Persönliche Gründe wie eine Versetzung des Partners oder der Partnerin sind absolut legitim. Wenn der Funke in frühester Jugend durch „Die fabelhafte Welt der Amélie“ oder ein Lied von Charles Aznavour Ihre Faszination für die französische Sprache und Kultur entfacht hat, und Sie schon immer einmal in Frankreich leben wollten: Auch das ist ein Grund und eine interessante Anekdote aus Ihrem Leben, die Ihre Persönlichkeit unterstreicht und zeigt, dass Sie den Gedanken, das Heimatland zu verlassen, schon längere Zeit hegen und der Schritt in die Umsetzung wohlüberlegt ist.

Ist das Unternehmen, in dem Sie sich bewerben, sogar selbst der Grund für Ihre Pläne, nach Frankreich zu ziehen, ist dies natürlich ein tolles Argument.

„Was sind Ihre Gehaltsvorstellungen?“ (prétentions salariales)

Die Frage nach dem Gehalt wird in Frankreich meist bereits im ersten Bewerbungsgespräch auf den Tisch gelegt – allerdings nicht von Ihnen und nicht, um sich möglichst schnell zu einigen!

In Vorstellungsgesprächen in Frankreich herrscht das ungeschriebene Gesetz, dass über konkrete, Verhandlung beanspruchende Themen erst in der letzten Bewerbungsrunde gesprochen wird. Die Frage nach Ihren Erwartungen hinsichtlich Vergütung dient im Erstgespräch als „Filterfrage“, um einzuschätzen, ob Ihre Präferenzen sich mit dem, was das Unternehmen zu bieten bereit ist, decken.

Als Antwort geben Sie am besten keine konkrete Summe vor. Nennen Sie dem potentiellen Arbeitgeber besser eine Gehaltsspanne „zwischen [...] und [...] Euro brutto im Jahr“, in der er sein Budget verorten kann.

„So viel wie möglich!“ – Eine etwas ungeschickte Antwort – es sei denn, Sie bewerben sich auf eine Stelle im Sales-Bereich und es wurde bereits vorher klargestellt, dass ein Teil der Vergütung auf Performance basiert. Dann dürfen Sie ruhig etwas wagen, indem Sie Ihre Leistungsbereitschaft unterstreichen. Aber Vorsicht: Die Grenzen zwischen Ehrgeiz und Angeberei sind fließend, antworten Sie also mit Stil!

Bleiben Sie in jedem Fall realistisch und informieren Sie sich vorab über die gängigen Gehälter in Ihrer Branche und Berufsgruppe. Als Orientierung: Das Basisgehalt übersteigt in den meisten Einstiegspositionen 2.000 Euro brutto monatlich nicht.

Eine konkretere Antwort als „Ja, das ist ungefähr das, was wir für diese Stelle auch angedacht haben.“ werden Sie zum Zeitpunkt des ersten Bewerbungsgesprächs fast nie hören. Gedulden Sie sich bis kurz vor Ende des Bewerbungsprozesses.

„Haben Sie noch weitere Fragen an uns?“

Ein Vorstellungsgespräch ist eigentlich kein Gespräch, in dem Sie sich vorstellen. Vielmehr handelt es sich um ein Kennenlerngespräch, in dem auch Sie sich als Kandidatin bzw. Kandidat einen ersten Eindruck von Arbeitsprozessen und Unternehmensspirit machen können und sollen. Nutzen Sie daher das Zeitfenster, das Ihnen diese verbale Einladung öffnet.

Verlassen Sie sich auf Ihren gesunden Menschenverstand. Dass es vor allem im ersten Gespräch nicht allzu gut ankommt, nach der Bezahlung von Überstunden zu fragen, versteht sich. So es im Laufe des Bewerbungsgesprächs nicht bereits um diese Themen gegangen ist, können Sie mit Fragen nachhaken wie z.B.:

Tipp: Erspüren Sie, ob der Recruiter oder die Recruiterin bereits während des Bewerbungsgesprächs für Fragen offen ist. Wenn Sie Ihre Fragen bereits dann stellen, wenn das entsprechende Thema aufkommt, zeigen Sie auf subtile Weise Initiative und Interesse, da Sie das Gespräch so selbst ein wenig lenken.

Zudem wird das Bewerbungsgespräch, das viel zu oft in ein Frage-Antwort-Quizz mutiert, viel natürlicher und zu einem echten „Gespräch“ auf Augenhöhe. Als angenehmer Zusatzeffekt lässt dann auch Ihre eigene Nervosität nach, Ihre Selbstsicherheit steigt und Sie sind viel eher Sie selbst!

Kompetenz-Tests

Natürlich können Sie je nach Unternehmen und Stelle Tests erwarten, die den Verantwortlichen einen objektiv überprüfbaren Eindruck Ihrer für die Stelle relevanten Kompetenzen vermitteln sollen. Diese können vor, nach oder zwischen Vorstellungsgesprächen mit mehreren Personen angesetzt sein. Meist sind diese angekündigt und ihr Inhalt wird Ihnen vorab grob umrissen, so dass Sie sich vorbereiten können, z.B. auf:

Umgang mit Antworten aller Art

1. Bei einer ausbleibenden Antwort: Haken Sie nach!

Sei es, weil Sie sich noch in anderen Firmen beworben haben, denen Sie eine Antwort schulden, Sie die Kündigungsfrist Ihrer momentanen Stelle möglichst rasch verhandeln müssen, oder schlichtweg weil Sie die Stelle unbedingt möchten und auf glühenden Kohlen sitzen: Wurde Ihnen ein Zeitraum genannt, innerhalb dessen Sie entweder einen weiteren Termin oder die finale Entscheidung hätten mitgeteilt bekommen sollen, nach dessen Verstreichen Sie jedoch immer noch nicht mehr wissen, können Sie ruhig nachhaken.

2. Bei einer positiven Antwort: Jetzt geht es an die Verhandlung von Gehalt und Prämien!

In vielen französischen Stellenanzeigen werden Sie „Vorteile“ genannt sehen wie: eine Krankenzusatzversicherung (mutuelle), Übernahme von 50% der Kosten für den öffentlichen Transport und Essensmarken (tickets restaurant). Um Vorteile handelt es sich lediglich bei den tickets restaurant, von denen Arbeitnehmer allerdings einen Teil selbst bezahlen müssen. Zu den anderen beiden „Vorteilen“ ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet.

Es ist in Frankreich erst im letzten Bewerbungsgespräch üblich, über monetäre oder sonstige Vorteile der Stelle zu sprechen – nicht vorher, es sei denn, das Thema wird seitens einer der Personen, mit denen Sie Ihre Vorstellungsgespräche geführt haben, angesprochen.

3. Bei einer negativen Antwort: Reißen Sie keine Brücken nieder – besonders nicht zu Headhuntern!

Halten Sie sich an diese grundlegenden Ratschläge, ist bereits viel gewonnen! Selbst wenn die Antwort für die jetzige Stelle nicht zu Ihren Gunsten getroffen wird, so kann sich ein positiver Eindruck bis zu einer Bewerbung auf eine andere Stelle im gleichen Unternehmen halten.

Auch die Rückmeldung, die Headhunter von ihren Kundinnen und Kunden in Bezug auf Sie bekommen, kann Einfluss darauf haben, ob diese Sie für eine ähnliche Stelle in einem anderen Unternehmen eher vorschlagen als jemand anderen. Besonders bei einer Absage für eine Stelle, die Sie unbedingt wollten, ist eine angebrachte Reaktion eine freundliche E-Mail, in der Sie sich für die Gespräche und die Mühe bedanken und den Wunsch äußern, in Kontakt zu bleiben. In bedächtig gewählten Abständen von ein paar Monaten oder anlässlich der Aktualisierung Ihres Lebenslaufes können Sie dann wieder in Kontakt treten.

Équipe FRADEO

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